Sie sind hier:  Verband aktuell
Aktuelles
Offene Kreativ-Werkstatt der AWO am Mittwoch, den 11. September 2019, Bürgertreff, Alpspitzstr. 4, Farchant (GAP)
02
September 2019

100 Jahre AWO: Jubiläumsfeier der AWO Oberbayern in München

Gratulierten zum 100-jährigen AWO-Jubiläum: (v.li.) Prof. Dr. Jürgen Mittag, Buchautor, Rainer Schneider, Vizepräsident des Bezirkstags von Oberbayern, Nicole Schley, Präsidentin der AWO Oberbayern, Walter Jonas, Vizepräsident der Regierung von Oberbayern, Cornelia Emili, Vorstandsvorsitzende der AWO Oberbayern, bei der Jubiläumsfeier im Einstein-Kulturkeller München.

Frauenpower und gute Stimmung: Kabarettistin Lizzy Aumeier (mi) mit Präsidentin Nicole Schley (li.) und Vorstandsvorsitzender Cornelia Emili (re.).

Beim Empfang: Mitglieder und Freund*innen der AWO kommen aus ganz Oberbayern.

Ungewohntes Ambiente der 100-Jahr-Feier im Einstein-Kulturkeller

1919 hatte Marie Juchacz – Frauenrechtlerin, Sozialreformerin und eine der ersten weiblichen Abgeordneten in Deutschland überhaupt – den „Hauptausschuss für Arbeiterwohlfahrt“ in der SPD ins Leben gerufen: die Keimzelle und Geburtsstunde der heutigen AWO.

Die AWO Oberbayern feierte am Wochenende zusammen mit rund 120 Ehrenamtlichen, Freunden und Förderern das 100-jährige Verbandsjubiläum in München.

Walter Jonas, Vizepräsident der Regierung von Oberbayern, und Rainer Schneider, Vizepräsident des Bezirkstags von Oberbayern, gratulierten dem traditionsreichen Sozialverband zum 100. Geburtstag und bedankten sich für dessen vielfältige Angebote in den oberbayerischen Kommunen und die gute Zusammenarbeit.

Nachdem Historiker und Buchautor Prof. Dr. Jürgen Mittag detailliert die Entstehungsgeschichte und Entwicklung des Verbands erläutert hatte, sorgte die aus dem Bayerischen Fernsehen bekannte Kabarettistin Lizzy Aumeier für Spaß und Unterhaltung. Aumeier bezeichnet sich selbst aufgrund der Verbandsaktivitäten ihres Vaters als „Kind der AWO“.

Nicole Schley, Präsidentin, und Cornelia Emili, Vorstandsvorsitzende der AWO Oberbayern, betonten, dass sich die Organisation bis heute den Grundwerten Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit, Solidarität und Toleranz verpflichtet fühle. Gerade in Zeiten „wachsender sozialer Ungleichheit und fremdenfeindlicher Strömungen“ sei der „praktische und politische Einsatz für eine vielfältige, tolerante und solidarische Gesellschaft, für Freiheit, Gerechtigkeit und Demokratie so wichtig wie eh und je“.

Starke Frauen prägen den Verband

In ihrer Begrüßungsansprache im Einstein-Kulturzentrum hob Schley hervor, wie stolz sie auf Gründerin Marie Jucachz sei, die auch eine der wichtigsten Akteurinnen der damaligen Frauenbewegung war. „Engagierte und kluge Frauen wie Marie Juchacz waren und sind für die AWO bis heute prägend“, sagte die junge Präsidentin und wies darauf hin, „dass die praktische ehrenamtliche Arbeit bei der AWO – ob in den Altenclubs, den Secondhandläden und anderswo zum ganz großen Teil von Frauen erledigt würde. Damals wie heute.“ Und auch die hauptamtlich Beschäftigten in den Kitas, Seniorenzentren und sonstigen Einrichtungen seien zu 85 Prozent weiblich.“

„Die Weichen für die Zukunft gestellt“

Walter Jonas, Regierungsvizepräsident von Oberbayern, drückte in seinem Grußwort „großen Respekt“ gegenüber der Werteverbundenheit und dem Einsatz der AWO aus: „Gerade weil das Individuum, das ´Ich´ heute manchmal wichtiger scheint als die Gemeinschaft und der Gemeinsinn, ist soziale Arbeit und eine engagierte Interessenvertretung notwendiger denn je,“ lobte der oberbayerische Regierungsvertreter die anwesenden Mitglieder. „Die AWO weiß, was die Menschen brauchen“, so der Vizepräsident, „sie war in den letzten 100 Jahren ihrer Zeit oft voraus, weil sie neue Themen angepackt und – auch ungewohnte – Wege gegangen ist.“

Von der Nähstube zum Sozialunternehmen

Prof. Dr. Jürgen Mittag, Historiker und Mitautor des offiziellen AWO-Geschichtsbuches, das in wenigen Wochen erscheinen wird, erläuterte den Gästen ausführlich die Entstehungsgeschichte und Entwicklung der Organisation von 1919 bis heute. Zu Beginn sei es Marie Juchacz in erster Linie darum gegangen, die verheerenden Folgen des Ersten Weltkriegs, die Not und das Leid der Bevölkerung zu lindern, so Mittag. Aber sie wollte mit der Arbeiterwohlfahrt auch einen Schlussstrich ziehen unter die demütigende Praxis staatlicher Almosen. Stattdessen organisierte Juchacz mit ihren Genoss*innen Näh- und Wärmestuben, Suppenküchen und ähnliche Formen praktischer Hilfe zur Selbsthilfe: die Basis der modernen Selbsthilfegruppen und der Sozialarbeit auf Augenhöhe.

Von den Nationalsozialisten verboten und z.T. verfolgt, begann unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg in Westdeutschland der Neubeginn und Wiederaufbau des Verbands. Herausgelöst aus der Sozialdemokratischen Partei etablierte sich die AWO zunächst im Westen, nach der Wiedervereinigung auch im Osten als unabhängiger, überparteilicher und überkonfessioneller Wohlfahrtsverband mit aktuell gut 333.000 Mitgliedern und Ehrenamtlichen sowie über 18.000 sozialen Einrichtungen bundesweit.

Kabarettistin Lizzy Aumeier ein „AWO-Kind“

Entertainerin Lizzy Aumeier gab zum unterhaltsamen Abschluss der Veranstaltung ein buntes Potpourri ihres bayerisch-deftigen Kabarettprogramms zum Besten, nachdem sie vorab betont hatte, „ein AWO-Kind“ zu sein, da sich bereits ihr Vater für die Arbeiterwohlfahrt engagiert hatte.