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Offene Kreativ-Werkstatt am 19.Februar 2020, 15:00 - 17:00 Uhr
26
Februar 2020

Sozialpolitischer Aschermittwoch 2020 in Utting

v.li. Helmut Schiller, AWO-Kreisvorsitzender, Josef Lutzenberger, 1. Bürgermeister Utting, Thomas Eichinger, Landrat, Nicole Schley, Präsidentin AWO Oberbayern, Maximilian Engl, Referent und Kommunikationstrainer

In der ersten Reihe (v.li.) Thomas Beyer, AWO-Landesvorsitzender, Josef Mederer, Bezirkstagspräsident, Rainer Schneider, stellv. Bezirkstagspräsident, und Seban Dönhuber mit Gattin, Ehrenvorsitzener AWO Bayern

Referent Maximlian Engl

„Was kommt am Ende der Toleranz?“ Mit dieser provokanten Frage leitete Maximilian Engl, katholischer Theologe und zertifizierter Trainer für interkulturelle Kommunikation, seinen gut einstündigen Vortrag beim diesjährigen Sozialpolitischen Aschermittwoch der oberbayerischen AWO im BVS-Bildungszentrum in Utting-Holzhausen ein. Dabei ging es um Vorurteile, Rassismus und kulturbewusste Kommunikation.

Rund 120 Mitglieder, Freunde und Förderer waren der Einladung zum Sozialpolitischen Aschermittwoch an den Ammersee gefolgt. Darunter auch Landrat Thomas Eichinger sowie Uttings Bürgermeister Josef Lutzenberger. Beide Kommunalpolitiker lobten in ihren Grußworten die erfolgreiche Arbeit des Verbands im Landkreis, wo die AWO unter anderem zwei Seniorenzentren, mehrere Kitas und ein Mehrgenerationenhaus betreibt. Für die hervorragende Zusammenarbeit mit allen politischen Gremien und Entscheidungsträgern bedankte sich wiederum AWO-Kreisvorsitzender Helmut Schiller.

Mit dem Sozialpolitischen Aschermittwoch, einer Traditionsveranstaltung, die bereits seit über 30 Jahren stattfindet, wolle die AWO „bewusst einen Kontrapunkt zu den lautstarken Auftritten der Parteien setzen und zu Beginn der Fastenzeit zum Nachdenken anregen“, erläuterte Oberbayerns AWO-Präsidentin Nicole Schley in ihrer Begrüßungsansprache.

Das schaffte Maximilian Engl, der Hauptredner, anschließend mit Bravour. Anschaulich und anekdotenreich konfrontierte der Kommunikationstrainer sein Publikum mit einer Fülle gängiger Vorurteile, die ausnahmslos jeder mit sich herumtrage. Sei es über andere Länder, andere Religionen, das andere Geschlecht oder auch nur die Nachbarn von nebenan. Nur ein Teil der – aus seiner Sicht normalen – Vorurteile resultierten aus der jeweiligen Kultur, in der ein Mensch aufgewachsen ist, viele auch aus seiner Persönlichkeit, der Gruppendynamik oder auch nur der augenblicklichen Stimmung, in der man sich befindet. Ähnlich reagiere der Mensch auch phasenweise unterschiedlich auf Fremdes, mal mit Abschottung, mal mit Toleranz, mal mit großer Begeisterung, etwa auf Urlaubsreisen.

Deutlich grenzte der Kommunikationsexperte sehr menschliche, vielfach unbewusste Vorurteile von Rassismus ab. Da es aus wissenschaftlicher, d.h. biologischer wie genetischer Sicht keine verschiedenen Menschenrassen gebe, könne es eigentlich auch keine Diskriminierung aufgrund der Rasse geben, auch wenn dies so in der Verfassung stehe. Rassismus sei vielmehr „die global wirkende ungleiche Verteilung von Macht und Privilegien“, wie sie sich bis heute nachweislich vor allem zwischen den ehemaligen Kolonialstaaten und den einst kolonisierten Staaten fortsetze.

Engl plädierte deshalb dafür, freiwillig Macht und Privilegien abzugeben, als wirksamste Maßnahme gegen Rassismus. Die Perspektive für eine friedliche multikulturelle Gesellschaft sieht der Trainer darin, „sich in der kulturbewussten Begegnung mit den anderen tatsächlich zu verändern.“

Damit beantwortete er auch seine Eingangsfrage, nämlich was am Ende der Toleranz seiner Auffassung nach kommt bzw. kommen sollte: „Wenn aus zwei Kulturen, die sich tolerierten, durch Veränderung eine gemeinsame neue Kultur entsteht.“

Mit reichlich Stoff zum Nachdenken und Diskutieren trafen sich die Gäste aus ganz Oberbayern abschließend zum traditionellen Fischessen.